Für offizielle Dokumente des US-Außenministeriums soll künftig wieder Times New Roman verwendet werden. Calibri, erst Anfang 2023 eingeführt, gilt laut interner Anweisung als zu informell und unpassend für den offiziellen Briefkopf. Die Rückkehr zur Serifenschrift soll „Anstand und Professionalität“ in die Kommunikation des Ministeriums zurückbringen – so die Begründung.
Calibri ist serifenlos und wirkt sachlicher, moderner, technischer. Genau das wurde ihr nun zum Verhängnis. Times New Roman war zuvor fast zwei Jahrzehnte Standard: klassische Behördenästhetik, der nüchterne Ton offizieller Verlautbarungen, vertraut bis zur Langeweile. Der Wechsel zu Calibri erfolgte einst unter Außenminister Antony Blinken – nicht aus Stilwillen, sondern aus Gründen der Barrierefreiheit. Die Schrift ist für Menschen mit Sehbehinderungen besser lesbar und kompatibler mit Hilfstechnologien. Empfohlen wurde sie vom Büro für Diversität und Inklusion. Dieses existiert inzwischen nicht mehr.
Am Ende bleibt die Erkenntnis: In den USA wird Haltung inzwischen im Schriftschnitt entschieden. Barrierefreiheit ist verhandelbar, Serifenschmuck nicht. Politik war selten so typografisch.
– Beate Sinn –





