WordCamp Europe in Berlin

Inspiration holen, weiterbilden, Kontakte knüpfen, Wissensdurst stillen – das sind einige Motivatoren ein WordCamp zu besuchen. Und so stand das #WCEU schon lange fest im etcetera Kalender.

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Das WordCamp Europe in Berlin stand lange im etcetera Kalender. Viele Vorträge sowie interessante Pläne für die Zukunft wurden hier angesprochen und auch neue und alte Kontakte wurden gefunden.

Das diesjährige WordCamp Europe fand vom 21. – 22. Juni in Berlin statt. Das Estrel Tagungshotel in Neukölln bot den 2.734 Teilnehmern viel Platz um Voträge zu hören, an Workshops teilzunehmen oder im WPCafe über verschiedene Themen zu diskutieren.

Aus persönlichen Gründen konnte ich leider nicht zum Contributor Day am 20. Juni anreisen, sondern startete am Freitag mit Beginn der offiziellen Konferenz. Zu diesem Zeitpunkt waren die Workshops, für die ich mich eintragen wollte, leider schon völlig ausgebucht. Aber das ließ mir erheblich mehr Zeit, einen der vielen Vorträge zu hören bzw. mich bei den unzähligen Ausstellern über ihre Produkte bzw. Neuerungen in ihren Produkten zu informieren.

Der erste Vortrag, den ich besuchte, hatte den interessanten Titel: „Doing it wrong“! Jenny Beaumont referierte über die Filterblase, in der wir uns letztendlich alle bewegen und wie wir aus Fehlern und Unvollkommenheit positive Dinge entstehen lassen können. Diese Art Vorträge beleuchten die kreative Seite der Webentwicklung und helfen einem, eine andere Perspektive auf bekannte, wiederkehrende Anforderungen zu erlangen.

WordPress (WP) ist ein seit Jahren stetig wachsendes Tool, das von einer großen Community stetig weiterentwickelt wird. Darin besteht ein großer Vorteil, da es auf nahezu jede Frage eine Antwort gibt und für jedes Problem eine – ggf. unkonventionelle – Lösung. Es ist aber auch nachteilig, wenn es um die reine Codebase bspw. geht. „Unkonventionell“ kann in diesem Fall auch heißen, dass sehr individuell an Code und Datenbank herangegangen wird.  Wer mit WP arbeitet, weiß um dieses Problem, aber Informatiker kritisieren oft, das – mittlerweile etablierte – Programmierrichtlinien nicht eingehalten werden. John Jacoby bot in seinem Vortrag „Advanced database management for plugins“ Lösungswege Datenbankeinträge und -kommunikationen zu standardisieren. Damit werden komplexe Datenbankstrukturen professionalisiert und vereinheitlicht. Im Moment arbeitet seine Lösung nur als Plug-in – aber das seine Ideen in den Core integriert werden ist durchaus in naher Zukunft denkbar.

Nicht jeder Vortrag vermochte es zu halten, was das Etikett versprach, aber zwei Vorträge haben mich so sehr begeistert, dass ich sie noch besonders hervorheben möchte: Vladimir Smitkas lightning talk (15 min) zur Sicherheit im Netz: „WordPress through the bad guys‘ glasses“ riss alle Besucher von den Stühlen. In der kurzen Zeit, die ihm zur Verfügung stand, zeigte er auf, wie wichtig eine sichere Installation und bereinigte Bilddaten sind – vor allen Dingen im privaten Umfeld. Vom Blog (virtuell) bis zum ungestörten Einbruch in das Haus der Bloggerin (physische Adresse!) braucht ein Angreifer nur wenige Minuten. Das gab mir einige Denkanstösse im Umgang mit persönlichen Daten – auch wenn ich bisher davon ausgegangen bin, dass meine Privatsphäre relativ gut geschützt ist. Allerdings poste ich viele Bilder von meinem Hund – das ist deutlich abschreckender, als eine Katze, habe ich gelernt 🙂

Ebenfalls begeistert hat mich Ana Cirujanos Vortrag „Variable fonts: The future of webdesign“. Welche kreativen Wege man im Design einfach nur mit dem Einsatz von Schriften gehen kann, fand ich sehr spannend. Es ging dabei weniger um die Typo an sich, sondern darum, dass man einen Buchstaben nimmt, und seine Pfadpunkte einzeln anspricht, um den Buchstaben zu animieren. Das hat niedrige Ladezeiten und ist absolut responsive.

Ein Highlight eines jeden WordCamps ist wohl die Anwesenheit und die Keynote von Matt Mullenweg. Der 35-jährige Amerikaner ist der Hauptinitiator von WordPress und steht auch heute noch an der Speerspitze der Weiterentwicklung. Seit Veröffentlichung des ersten Releases im Mai 2003 ist WordPress einen weiten Weg gegangen (aktuelle Version: 5.2). Matt stellte den begeisterten Zuhörern die weiteren Pläne für 2020 vor. Neben Phase 2, die sich mit der Optimierung und Funktionserweiterung von Gutenberg beschäftigt, wird es neue Funktionen der Zusammenarbeit und Systemüberwachung geben (Phase 3). Am sehnlichsten erwartet wird aber wohl die Integration der Mehrsprachigkeit in den Core (Phase 4).

Neben Vorträgen zu Development und Design gibt es auf Camps immer auch Vorträge zu allen Bereichen, die sonst so zum Geschäft gehören: Preisbildung, Führung und Teamwork, Work-Life-Balance, Zeit-Management usw. Man muss also schon einen Plan aufstellen, welche Vorträge man sehen möchte, ansonsten wäre man vor Ort wahrscheinlich zu überwältigt vom Angebot (Schedule). Da mich allerdings die schiere Anzahl der Aussteller sehr überraschte, ich bei deren Anblick aber unzählige Fragen beantwortet sah, habe ich Vorträge, die eigentlich auf meiner Agenda standen, ausfallen lassen. Stattdessen führte ich viele interessante Gespräche mit den Mitarbeitern von Google, WEGLOT, Polylang, WPML, wpmudev, yith, wpengine, gravityforms, WPprojects, KINSTA, Yoast, WP-Translations…. und, und, und. Mit einigen Anbietern verbindet etcetera, dass wir deren Lösungen bereits verwenden. Hier konnte ich gezielt Fragen stellen, Probleme diskutieren und Roadmaps erfragen. Spannend war es aber auch, alternative Anbieter anzusehen oder ganz neue Lösungen und Dienstleistungen kennenzulernen.

Auch wenn das WordCamp Europe eine ganz andere Hausnummer ist, als ein lokales WordCamp oder das Retreat in Soltau, die WordPress Community ist ziemlich familiär im Umgang miteinandern und man trifft selbst auf einer solch großen Veranstaltung alte Bekannte. Im Biergarten dreht sich dann schnell alles wieder um WordPress und bei einem entspannten Erfahrungsaustausch mit allen Hasen und Neulingen wird so manche harte Nuss geknackt.

Die nächsten Tage und Wochen werden mich die gesammelten Eindrücke definitiv weiterhin beschäftigen. Entweder als Hintergrundrauschen, das in meinem Kopf Gedankenprozesse beeinflusst oder als konkrete Handlung, wenn es bspw. um die Implementierung von Sicherheitsfunktionen oder Plug-Ins geht. Wer Lust und Zeit hat, die Vorträge sind im YouTube Chanel des WordCamp Europe verfügbar: https://www.youtube.com/channel/UCaYQGYDpXpU4A17kxN-AgJQ 

Ich werde mir mit Sicherheit die verpassten Vorträge ansehen und freue mich schon auf das nächste WordCamp!

(geschrieben von Ariane Lucke-Vossel)

Das WordCamp Europe in Berlin stand lange im etcetera Kalender. Viele Vorträge sowie interessante Pläne für die Zukunft wurden hier angesprochen und auch neue und alte Kontakte wurden gefunden.
Das WordCamp Europe in Berlin stand lange im etcetera Kalender. Viele Vorträge sowie interessante Pläne für die Zukunft wurden hier angesprochen und auch neue und alte Kontakte wurden gefunden.
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